Besuch einer Synagoge: Eine weitere Erkenntnis für Einheit trotz Verschiedenheit Zurück zur Übersicht

Die SchülerInnen der Jahrgangsstufe 6 konnten in den vergangenen Wochen im evangelischen und katholischen Religionsunterricht die Grundzüge der drei monotheistischen Weltreligionen (Judentum, Christentum und Islam) kennenlernen. Dabei erhielten sie endlich die Möglichkeit, eine Antwort auf eine zuvor häufig gestellte Frage zu erhalten: Was ist eigentlich der Unterschied zwischen diesen drei Weltreligionen und macht uns Christen so andersartig im Vergleich zu Juden oder Moslems?

Im Laufe der Unterrichtsreihen konnten die SchülerInnen feststellen, dass ihre fundamentale Frage unvollständig formuliert war. Denn bei einem Vergleich gibt es neben den Unterschieden auch immer Gemeinsamkeiten, bei denen niemand von ihnen zuvor damit gerechnet hat, dass diese das Gewicht der Unterschiede letztendlich deutlich überwiegen würden. Die entscheidende Feststellung über die Verwandtschaft von Judentum, Christentum und Islam ergab sich nämlich bei der Betrachtung des Stammbaumes der drei Religionen, die alle denselben Ursprung, nämlich denselben Stammvater Abraham haben. Daraus erfolgte die Erkenntnis, dass logischerweise, wenn doch Abraham der gottgesandte Stammvater war, auch alle drei Religionen denselben Gott haben, der sich nur in seiner Bezeichnung bzw. seinem Namen (z.B. Allah) unterscheidet.

Am 04.12.23 erhielten die SchülerInnen schließlich die Möglichkeit, ihr theoretisches Wissen aus dem Unterricht beim Besuch der jüdischen Synagoge in der Potthofstraße zu ergänzen. Neben kleineren Gemeinsamkeiten wie ähnlichen Ritualen, Gebeten, Feiertagen, Gesängen und Regeln stellten die SchülerInnen beim genaueren Hinhören eine weitere entscheidende Verwandtschaft fest. Herr Hagay Feldheim, der Vorsitzende der jüdischen Gemeinde in Hagen, erklärte uns nämlich, dass das höchste Gebot des Judentums die Nächstenliebe und der Respekt zu seinen Mitmenschen ist, was ebenfalls Jesus uns Christen und Mohammed im Islam lehrt.

Als wir die Synagoge verließen, verabschiedeten wir die fünf schwerbewaffneten Polizisten, die vor der Synagoge aufgrund der akuten Terrorgefahr wegen des sich immer weiter zuspitzenden Nahostkonflikts Wache hielten. Beunruhigt von der Panzerung und den Maschinengewehren der Polizisten änderten sich abrupt die Fragen der SchülerInnen, verglichen mit den alten Fragen über die Unterschiede der drei monotheistischen Weltreligionen. Alle Fragen zusammengefasst würde ungefähr diese Frage ergeben: Wieso gibt es noch heute blutige und hasserfüllte Konflikte unter den Gläubigen, wenn doch das Judentum, Christentum und der Islam durch ihren gemeinsamen Stammvater verwandt sind, denselben Gott anbeten und dieselbe Lehre der Nächstenliebe ausüben?

Wenn schon SchülerInnen der Jahrgangsstufe 6, im Alter zwischen 11 und 12 Jahren, die Erkenntnis über die Überlegenheit der Gemeinsamkeiten der monotheistischen Weltreligionen erlangen können, bleibt große Hoffnung, dass es noch viele andere Menschen ebenfalls schaffen und die weniger gewichtigen Unterschiede immer mehr tolerieren und ihnen weniger Bedeutung zusprechen.

Herzlichen Dank an die SchülerInnen der Jahrgangstufe 6, die sich in der Synagoge sehr interessiert und respektvoll verhalten haben, herzlichen Dank an Herrn Feldheim, der sich die Zeit genommen hat, uns über die Grundsätze des Judentums zu informieren und herzlichen Dank an Frau Reinohs, die den Besuch der Synagoge überhaupt ermöglicht hat.

Jannis Tsenekidis