Eingangsbereich Schulgebäude

Schule mit
Tradition

Unsere Schule kann auf mehr als 200 Jahre bewegte Geschichte zurückblicken.

Ein Großteil der Schulen dieses Landes verdankt seine Existenz der bildungsreformerischen Politik der 1960er und 1970er Jahre. Nicht so das Fichte-Gymnasium in Hagen, das nunmehr auf eine immerhin über zweihundertjährige Geschichte zurückblicken kann. Im Laufe seiner Existenz erlebte diese Schule die Wechselbäder der Geschichte in ihren extremen Ausprägungen:

Vom ausgehenden 18. Jahrhundert, dem Zeitalter der Aufklärung, über das 19. Jahrhundert mit seinen Reformbemühungen in der ersten Hälfte und dem obrigkeitlichen Denken und Handeln während der Kaiserzeit bis hin zum Ende des 20. Jahrhunderts, einem Jahrhundert, zu dem der reformpädagogische Wille innovativ denkender Pädagogen und Bildungspolitiker der Weimarer Zeit ebenso gehörte wie die unpädagogische Indienstnahme der Jugend durch das verbrecherische Regime der Nationalsozialisten und schließlich die Bildungsoffensive der 1960er und 1970er Jahre.

Schulgründung und frühe Jahre

Gegründet wurde die „Handlungs-, Bürger- und Lateinschule“ am 4. November 1799, am Ende des „pädagogischen Jahrhunderts“, wie das Zeitalter der Aufklärung gern genannt wird. Die Initiative zu dieser Schulgründung ergriff J. F. Dahlenkamp. Er war Pastor in Hagen, das zu jener Zeit knapp 2000 Einwohner hatte, seit 50 Jahren die Stadtrechte besaß und Teil der Grafschaft Mark war; die heutigen Stadtteile Eilpe und Wehringhausen gehörten noch nicht dazu. Dahlenkamp war darüber hinaus eine Art Schulrat im Auftrag der Preußischen Regierung. Für sein Vorhaben gewann er schnell Mitstreiter, die sich vornehmlich aus dem Kreis einheimischer Fabrikanten, Gewerbetreibender, Kaufleute und Bürger rekrutierten.

Schulgründung und frühe Jahre

Nicht zuletzt vor dem Hintergrund einer sich rasch entwickelnden Wirtschaft hatten diese Personen ein Interesse daran, die eigenen Kinder nicht länger in weiter entfernten Städten unterrichten, sondern ihnen zu Hause die nötige Bildung vermitteln zu lassen: in einer eigenen städtischen Schule. Man begann zunächst mit 40 Schülern, die von insgesamt fünf Lehrern unterrichtet wurden. Der gesamte Unterrichtsplan umfasste 16 Fächer, darunter die traditionellen Fächer wie Deutsch, Mathematik, Latein, Französisch, Englisch, Geschichte, Erdkunde und Zeichnen, aber auch so ungewöhnliche Fächer wie Buchhaltung oder sogar Fechten und Tanzen.

Von der Bürger- und Lateinschule zum Realgymnasium

Die Entwicklung der neu gegründeten Schule verlief zunächst wenig gradlinig, ja sogar wenig erfolgreich; es gab organisatorische und finanzielle Probleme. Dies änderte sich jedoch in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts: Die Stadt erlebte einen starken wirtschaftlichen Aufschwung, die Einwohnerzahl stieg rapide, und dementsprechend wuchs das Selbstbewusstsein der Hagener Bevölkerung. Die Stadtväter – geleitet vom Bürgermeister – nahmen die Reorganisation der Schule in die Hand und engagierten mit Heinrich Stahlberg einen weitsichtigen, energischen Direktor. Unter seiner Leitung – bis 1895 – gelang der Aufbau zum Realgymnasium, die Schülerzahl stieg auf 400, und mittlerweile unterrichteten 25 Lehrer an dieser Schule.

1877 wurde das neue Gebäude am jetzigen Standort Bergstraße bezogen, und wenig später – im Jahre 1882 – erfuhr die Schule eine förmliche ministerielle Anerkennung dahingehend, dass sie fortan als „Realgymnasium und Gymnasium“ geführt wurde. Ein Jahr später wurde die erste Abiturprüfung abgelegt.

Von der Bürger- und Lateinschule zum Realgymnasium

Alte Postkarte mit Schulgebäude

1900-1933: Obrigkeitlich und undemokratisch

Aus Privatbesitz

An ihrem 100. Geburtstag im Jahre 1899 stand die „Doppelanstalt“ glänzend da und genoss eine herausragende Reputation; diese hohe gesellschaftliche Akzeptanz spiegelten nicht zuletzt die Jubiläumsfeiern in der Stadt wider: Die Schule an der Bergstraße galt als die maßgebende Bildungsstätte der Stadt. Umfassendes Wissen und Können sollten erworben werden, Deutsch, Mathematik und Latein hatten unter den Fächern den höchsten Anteil. Über dem Fachlichen war die Leitidee die Erziehung zu Gottesfurcht und Sittlichkeit, zu Liebe für Kaiser und Vaterland. Die Schule während der Kaiserzeit war eingebunden in das obrigkeitliche Herrschaftssystem, sie bildete weisungsgemäß ergebene Untertanen aus. Ziele wie Selbstbestimmung, Mündigkeit und soziale Verantwortung waren noch nicht im Blick.

Der Erste Weltkrieg bedeutete einen tiefen Einschnitt: Aus dem Gymnasium wurde vorübergehend eine Kaserne, die als Lagerstatt für die Soldaten diente, zunächst für die einrückenden und am Ende des Krieges für die zurückkehrenden Soldaten. Viele Schüler wurden bei Kriegssammlungen eingesetzt, die über 16-jährigen waren Mitglieder in der Jugendwehr; nicht wenige Primaner legten eine Notreifeprüfung ab und wurden als „Freiwillige“ an die Front geschickt.

1900-1933: Obrigkeitlich und undemokratisch

Das Jahr 1918 brachte nicht nur das Ende des Ersten Weltkrieges, sondern gleichzeitig den Übergang von der kaiserlichen Monarchie zur parlamentarischen Demokratie und damit auch eine Demokratisierung des Schulwesens. Die Weimarer Republik, wie diese erste deutsche Demokratie genannt wurde, schuf Raum und Gelegenheit für Modernisierungen, so z. B. mit der Institutionalisierung von Elternbeiräten, Schülerräten und Schülerselbstverwaltungen. Die Elternvertretungen waren aufgerufen, die Zusammenarbeit zwischen Schule und Elternhaus aktiv zu fördern; die Schülervertretungen indessen galten als Übungsfeld politischer Handlungsformen. Eine mitverantwortende Gestaltung der Schule durch die Schüler wurde nicht erreicht, nur eine beschränkte Diskussionsmöglichkeit auf dem Wege zur Verwirklichung des Gemeinschaftsgefühls.

Dennoch: Der damalige Leiter der Schule, Dr. Hohmann, legte einen besonderen Wert auf die Pflege der Kontakte zu beiden demokratisch gewählten Vertretungen. Die Errichtung eines Schülerrates als demokratisch legitimierte Vertretung der gesamten Schülerschaft wurde von den Schülern abgelehnt; stattdessen organisierten sie einen Schülerstreik, der die Entfernung der Kaiserporträts aus der Aula verhindern sollte. An diesem Beispiel zeigt sich überaus deutlich, wie sehr die Schüler – trotz der leidvollen Erfahrungen des Ersten Weltkrieges – zunächst noch den obrigkeitsstaatlichen Strukturen der Kaiserzeit verhaftet waren.

Die NS-Herrschaft 1933 – 1945: NS-Ideologie im Schulalltag

Schon wenige Jahre später jedoch kamen die Bemühungen um Reformen und Demokratisierung innerhalb der Institutionen des Schulwesens zu einem jähen Ende. Der Nationalsozialismus veränderte von Anfang an den gesamten Schulalltag. Die Wertvorstellungen, die die Schule fortan vermitteln sollte, hießen nicht mehr Gerechtigkeit, Freiheit, Mündigkeit, sondern „Volk und Vaterland, Blut und Boden, Ehre und Treue“. Damit erhielt die NS-Schule Inhalte, die man sich nicht durch rationale Überlegungen aneignen konnte, sondern nur durch die „Verinnerlichung“ dieser „Glaubenswahrheiten“. Ziel der Schule war die Erziehung zum ’nationalsozialistischen‘ Menschen.

Die NS-Herrschaft 1933 – 1945: NS-Ideologie im Schulalltag

Von einem geordneten, klassischen Unterricht im engeren Sinne, so wie er sich seit dem Zeitalter der Aufklärung entwickelt hatte, konnte in diesen Jahren keine Rede mehr sein – die Durchsetzung der NS-Ideologie und die Vorbereitung zu einem verbrecherischen Krieg standen im Vordergrund. In diese Zeit fiel auch die Namensänderung der Schule: Ab 1938 trug sie den Namen ‚Fichte-Schule‘. Ein Jahr später, mit dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges im September 1939 wurden zunächst Lehrer, dann auch ältere Schüler als Soldaten einberufen – und schließlich wurden immer jüngere Schüler zu Kriegszwecken eingesetzt. 1943 wurde das Schulgebäude an der Bergstraße durch Bomben schwer beschädigt.

Nachkriegszeit und Gegenwart: Aufbau und freiheitlich demokratische Grundordnung

Der Wiederanfang nach dem Krieg stellte alle Beteiligten vor außerordentliche Herausforderungen: Es ging um den Aufbau einer freiheitlich demokratischen Grundordnung – und es ging um die Bewältigung des schulischen Alltags. Dabei mangelte es zu jener Zeit an allem: an Räumen, Mobiliar, Heizmaterial, Richtlinien, Lehrbücher – auch Lehrer fehlten. 1948 wurde der Schulbetrieb an der Bergstraße behelfsmäßig wiederaufgenommen, z. T. im Schichtbetrieb. Neben der früheren Fichte-Schule wurde hier die Jahn-Oberschule untergebracht.

In den folgenden 16 Jahren entwickelte sich das Provisorium zu einem umfangreichen Schulbetrieb mit völlig unzureichenden Räumlichkeiten: Die Schülerzahl wuchs rasch auf über 1.000 – bis im Jahre 1965 der mathematisch-naturwissenschaftliche Zweig ein eigenes neues Gebäude bekam und fortan als Theodor-Heuss-Gymnasium eigenständig weiterfirmiert. Nach der Trennung blieben an der Bergstraße etwa 700 Schüler zurück – mit neusprachlichem Schwerpunkt am städtischen Fichte-Gymnasium Hagen. Die Zahl der Schüler ging in den 1980er Jahren zurück, nahm jedoch in den 1990er Jahren wieder zu auf über 800. Heute sind es sogar etwa 1.000 Schülerinnen und Schüler, die die Schule besuchen.

Nachkriegszeit und Gegenwart: Aufbau und freiheitlich demokratische Grundordnung

Schule heute