Erziehung zur sozialen Verantwortung

Die Weiterentwicklung gesellschaftswissenschaftlichen Lernens am Fichte-Gymnasium betont in besonderer Weise den Zusammenhang von sozialer Zukunftsentwicklung und eigenem Herkunftsbewusstsein.

Die Gegenwart in ihrer Entstehung zu begreifen bildet dabei die Grundvoraussetzung, junge Menschen zu eigenverantwortlichem und verantwortungsbewusstem Mitbestimmen ihrer zukünftigen Lebensumstände zu befähigen.

Kurs Migration im Wahlpflichtbereich II

Das Kursangebot Migration im Wahlpflichtbereich II ist ein wichtiger Baustein der gesellschaftswissenschaftlichen Fächer in den Klassen 8 und 9 am Fichte-Gymnasium. Der Kurs ist angegliedert an die Fächer Erdkunde, Geschichte und Politik und soll dementsprechend das Kursthema aus diesen unterschiedlichen Perspektiven beleuchten.

Begonnen wird das Kursangebot nach einigen grundlegenden Definitionen und Begriffsklärungen mit dem geographischen Schwerpunkt. Hier werden vor allem Kompetenzen im Bereich der Atlas- und Recherchearbeit in den Vordergrund gestellt, um den Begriff der Migration in seiner weltweiten und historischen Dimension kennenzulernen. Selbst gewählte Länderbeispiele, nach Möglichkeit mit Anbindung an die Migrationsgeschichte einiger teilnehmenden Schülerinnen und Schüler, werden dabei vorgestellt und in Ihrer Bedeutung für die weltweite Migration eingeordnet.

Anschließend wird die Migrationsgeschichte der teilnehmenden Schülerinnen und Schüler noch mehr in den Vordergrund gestellt, indem das Kernstück des Kursangebots vorbereitet und durchgeführt wird. Dabei soll eine Ausstellung von Gegenständen, die aus den verschiedenen Ländern stammen, vorbereitet werden, die Geschichten um die Gegenstände sollen erzählt werden und somit auch der gesamten Schülerschaft des Fichte-Gymnasiums zugänglich gemacht werden.

 

Das zweite Schuljahr des Kurses widmet sich vor allem den politischen Fragen von Migration. Flüchtlingsobergrenzen, Integrationsansätze, persönliche Einstellungen, politische Eingriffe in Ländern der dritten Welt, die politischen Ansatzpunkte sind vielfältig und vor allem diskussionswürdig.

Methodisch sollen die Schüler vor allem durch ein Planspiel und die Erstellung von Interviewsequenzen per Youtube die Möglichkeit bekommen, die politische Dimension des Begriffs Migration kennenzulernen, aber auch die Umsetzung von Integrationsideen konkret am Fichte-Gymnasium einbringen können.

Insgesamt ergibt sich somit ein Programm, das den einfachen Begriff Migration deutlich aufschlüsselt und in seinen Dimensionen für die Schülerinnen und Schüler erfahrbar machen soll. Die Anbindung an die Fächer Erdkunde, Geschichte und Politik birgt darüber hinaus die Chance, Kompetenzen und Inhalte in den regulären Unterricht der Fächer zu übertragen und zu integrieren.

Projektkurs Migration

Unterrichtliches Lernen im Allgemeinen und individualisiertes Lernen im Besonderen sind dann vor allem erfolgversprechend, wenn Schülerinnen und Schüler selbstständig, selbstbestimmt und eigenverantwortlich lernen. Beide Formen dienen nicht nur der „Förderung eines reflektierten Geschichtsbewusstseins“ (Kernlehrplan Geschichte Sek. II), sondern bereiten auch auf den verantwortungsvollen Umgang mit Geschichte im späteren Erwachsenenleben vor.

Der Projektkurs Migration mit dem Referenzfach Geschichte, der seit einigen Jahren am Fichte-Gymnasium angeboten wird und als Jahreskurs fungiert, berücksichtigt beide Formen des Lernens und schließt am Ende mit einem durch die Schülerinnen und Schüler zu erstellenden Produkt ab. Er besteht aus drei grundlegenden Elementen: der Input-Phase, der Phase der selbstständigen Arbeit und der Präsentationsphase.

Ausgehend von der Erarbeitung rechtsdefinitorischer Begriffsbestimmungen der verschiedenen Formen von Migration werden während der Input-Phase bedeutende Migrationsbewegungen erarbeitet (z. B. Völkerwanderungen, deutsche Amerikaauswanderung, Einwanderung von Gastarbeitern in die Bundesrepublik Deutschland), damit sich die Schülerinnen und Schüler grundlegende Kenntnisse und eine fachliche Orientierung verschaffen können.

Projektkurs Migration

Während der Phase der selbstständigen Arbeit finden sich die Schülerinnen und Schüler in themenaffinen Gruppen zusammen, um fachliche, inhaltliche und methodische Aspekte und Probleme zu kommunizieren, die in gegenseitigem Austausch für alle Beteiligten eine konstruktive Hilfestellung bieten – unter Anleitung des Lehrers.

Den Abschluss des Projektkurses bildet die Präsentation der einzelnen Produkte durch die Schülerinnen und Schüler selbst. Der Adressatenkreis ist primär auf die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Projektkurses beschränkt; er kann auch eine eng umgrenzte Schulöffentlichkeit umfassen.

Inhaltlich gesehen bewegt sich der Projektkurs zum einen in Ergänzung der curricularen Vorgaben und eröffnet somit die Möglichkeit, auf spezielle Themen einzugehen, zum anderen innerhalb des Bezugsrahmens tagespolitischer Ereignisse: Kaum ein Thema bewegt die Menschen mehr als die aktuelle Flüchtlingsdebatte. Somit leistet er einen wichtigen Baustein zu einer sinnbildenden Identitätsstiftung und zu einem verantwortungsbewussten Demokratieverständnis.

Gedenkstättenfahrt

Historische Zusammenhänge und ihre Bedeutung für die Zukunft unserer Gesellschaft erfahrbar zu machen, gelingt in der Regel besonders nachhaltig, wenn sich die Themen den Schülerinnen und Schülern an außerschulischen Lernorten vermitteln lassen. Geschichte als Lernen-vor-Ort vermag besonders eindrucksvoll davon zu berichten, wie sehr Menschen in der Vergangenheit für Freiheit und Vielfalt kämpfen mussten, um jene demokratische Gesellschaft zu erringen, in der wir heute leben dürfen. Parlamente und Institutionen der gemeinschaftlichen Willensbildung stellen heute jene Handlungsorte dar, an denen sich diese historische Errungenschaft zum Wohle einer freien und sozialen Gemeinschaft weiterentwickelt.

Die am Fichte-Gymnasium neu geschaffene Institution des historisch-politischen Lernens an außerschulischen Lernorten ermöglicht es, diese in Veranstaltungen außerhalb des Unterrichts für die Schülerinnen und Schüler der Sekundarstufe II nachhaltig erfahrbar werden zu lassen. Seit Beginn des Schuljahres 2017/2018 werden jährlich wiederkehrende Fahrten zu historischen Lernorten angeboten, die in besonderer Weise über den Weg Deutschlands und Europas zu freiheitlichen Lebensverhältnissen informieren. Als mögliche Ziele vorgesehen sind Fahrten zu Mahn- und Gedenkstätten der NS-Geschichte, der deutschen Teilung, des Ersten Weltkrieges sowie zu parlamentarisch-demokratischen Institutionen der Bundesrepublik und der Europäischen Union. Mit der Durchführung dieses Projektes verbindet sich die Hoffnung, den Schülerinnen und Schülern Anregungen zu vermitteln, auch zukünftig ein friedliches, gemeinschaftliches Deutschland und Europa gestalten zu können.

Gedenkstättenfahrt

Büste am Schulgebäude

 

Die erste, im Rahmen dieses Projektes durchgeführte Fahrt war eine Begegnungs- und Gedenkstättenfahrt, die 30 Schülerinnen und Schüler in die Begegnungsstätte Heiligenhof nach Bad Kissingen führte, wo sie auf Schülerinnen und Schüler des Nikolaus-Lenau-Lyzeums aus Timisoara in Rumänien trafen. Inhaltlicher Schwerpunkt dieser Begegnung war die Flüchtlingsfrage in der Europäischen Union. Den Abschluss der Fahrt bildete eine Exkursion nach Weimar und in die Gedenkstätte Buchenwald, wo deutsche Geschichte in ihren Extremen für die Schülerinnen und Schüler erfahrbar gemacht wurde.

Bericht von der „Begegnungsfahrt nach Bad Kissingen“